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01.10.2018 - Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen

Was sind Kryptowährungen?

Als Kryptowährungen werden digitale Zahlungsmittel oder Vermögenswerte bezeichnet, die grundsätzlich mit einem Bankguthaben verglichen werden können. Neben dem Bitcoin als bekannteste Kryptowährung gibt es zahlreiche weitere Kryptowährungen aufdem Markt. Je nach Ausgestaltung der Kryptowährung werden dem Eigentümer unterschiedliche Rechte eingeräumt. Das reicht vom Recht an der digitalen Sache über Rechte an Dividenden oder Stimmrechte bis hin zum Recht an einer physischen Sache. Verwaltet werden die Kryptowährungen über das sogenannte «Wallet» – ein persönliches, digitales Portemonnaie. Als Besitzer des Wallet identifiziert man sich anhand eines Public Key (analog zur Adresse bzw.Kontonummer im Geldverkehr) und über einen Private Key (ein Passwort). Um die Risiken im Handel mit den Kryptowährungen auf den Plattformen zu minimieren, werden die getätigten Transaktionen jeweils auf dem Datensatz der Kryptowährung aufgezeichnet. Der Weg der Kryptowährung kann jederzeit rekonstruiert werden.

Deklaration und Bewertung

Kryptowährungen gelten als Vermögenswerte und müssen in der Steuererklärung entsprechend deklariert werden. Der Bestand der Kryptowährungen per 31.12. wird unter der Position «übrige Vermögenswerte» beziehungsweise «übrige Guthaben» in der Steuererklärung aufgeführt. Je nach Kanton entspricht diese Position einer Rubrik im Wertschriftenverzeichnis oder wird im Hauptformular separat ausgewiesen. Liegt für die jeweilige Kryptowährung kein offizieller Kurs der ESTV per 31.12. vor, hat die Deklaration der Kryptowährungen in der Steuererklärung zu dem auf der Handelsplattform ersichtlichen Jahresendkurs zu erfolgen. Ansonsten wird die Kryptowährung in der Höhe des beim Kauf bezahlten Kaufpreises in CHF deklariert.

Einkommenssteuer?

Kryptowährungen unterliegen der Vermögenssteuer. Die weitere steuerliche Behandlung hängt von der Ausgestaltung der jeweiligen Kryptowährung ab beziehungsweise davon, welche Rechte dem Eigentümer eingeräumt werden (siehe oben). Je nach Qualifizierung sind Kapitalerträge steuerbarer Ertrag und unterliegen im Falle von Dividenden und Zinsen der Verrechnungssteuer. Lohnzahlungen, die in Kryptowährungen ausgerichtet werden, werden wie Geldzah- lungen behandelt und unterliegen der Einkommenssteuer. Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Kryptowährungen sind, wenn die Kryptowährung im Privatvermögen gehalten wird, steuerfrei. Werden Kryptowährungen hingegen gewerblich gehandelt, wird von der Steuerbehörde unter Umständen eine selbst- ständige Erwerbstätigkeitangenommen. Als Folge davon unterliegen Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Kryptowährungen der Einkommenssteuer. Da es sich bei den Kryptowährungen nicht um ein klassisches Wertschriftendepot handelt, finden die Regelungen für den gewerbsmässigen Wertschriftenhandel nur eine sinngemässe Anwen- dung. Vonseiten der Steuerbehörden wird eher auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur selbstständigen Erwerbstätigkeit abgestellt. Ein selbstständiger Erwerb wird angenommen, wenn Käufe und Verkäufe der Kryptowährungen in einem Umfang getätigt werden, die über die schlichte Verwaltung des Privatvermögens hinausgehen, die Käufe und Verkäufe der Kryptowährungen auf Erwerb gerichtet sind und die Geschäfte planmässig und nach aussen hin sichtbar getätigt werden. In diesem Fall ist eine entsprechende Buchführung über die Tätigkeiten mit Kryptowährungen beim Steueramt einzureichen und geschäftsmässig begründete Kosten (unter anderem auch die Stromkosten) können zum Abzug gebracht werden.

Vorbehalten bei der Unterscheidung zwischen selbstständiger Erwerbstätigkeit und privater Vermögensverwaltung bleibt die Einzelfallbeurteilung durch die Steuerbehörden.

«In Kürze»
1. Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel.
2. Der Bestand an Kryptowährungen ist per 31.12. mit den restlichen Vermögenswerten in der Steuererklärung zu deklarieren.
3. Kryptowährungen unterliegen der Vermögenssteuer – die weitere steuerliche Behandlung ist von der konkreten Ausgestaltung der Kryptowährung abhängig und einzelfallweise zu eruieren.

EXPERTsuisse KMU Praxisinformationen 02/2018

01.09.2018 - Wohneigentumsbesteuerung: Folgen eines Systemwechsels

Aktuelles aus dem Parlament

Schon seit fast zwanzig Jahren steht die Abschaffung des Eigenmietwertes immerwiederzur Diskussion. Derjüngste Impuls in dieser Thematik kommt vonseiten der ständerätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-S). Anlässlich ihrer Sitzung vom Februar 2018 hat sie der parlamentarischen Initiative «Systemwechsel bei der Wohneigentumsbesteuerung» Folge gegeben und sogleich die Arbeiten zur Erstellung einer Vorlage aufgenommen.

Folgen des Systemwechsels Kernelement der Initiative ist die Abschaffung des Eigenmietwertes für selbstgenutztes Wohneigentum am Hauptwohnsitz. Für Steuerpflichtige, die ihr Stockwerkeigentum oder ihre Liegenschaft selbst bewohnen, wäre zukünftig der Eigenmietwert also nicht mehr zu deklarieren. Vom Systemwechsel ausgenommen sollen jedoch Zweitwohnungen sein: Für Ferienwohnungen oder Ferienliegenschaften wäre weiterhin der Eigenmietwert als fiktives Einkommen zu versteuern. Ebenso wenig von einem Systemwechsel betroffen wären Renditeliegenschaften: Bei vermieteten Liegenschaften wäre weiterhin der effektive Mietertrag zu deklarieren.

Noch offen sind die weiteren Eckpunkte eines Systemwechsels, insbesondere hinsichtlich der Geltendmachung von Abzügen: Im Gegenzug zur Abschaffung des Eigenmietwertes werden Schulden und Schuldzinsen im Zusammenhang mit einer selbstgenutzten oder einem

Dritten unentgeltlich zur Verfügung gestellten Liegenschaft unter Umständen nicht mehr steuerlich abzugsfähig sein; für Ersterwerber könnte allenfalls eine Ausnahmeregelung vorgesehen werden. Zur Diskussion steht auch die Abzugsfähigkeit von Unterhaltskosten, wobei die Geltendmachung von Kosten für energieeffiziente Massnahmen weiterhin möglich sein soll.

Ein weiterer Effekt des Systemwechsels wäre, dass die Ungleichbehandlung zwischen Eigenheimbesitzern und Mietern wegfallen würde, da das fiktive Einkommen (der Eigenmietwert) nicht mehr zu versteuern wäre.

«In Kürze»

1. Die Abschaffung des Eigenmietwertes ist wieder einmal aktuell – zurzeit berät die WAK-S darüber.
2. Noch offen ist, welche in Zusammenhang mit der Liegenschaft anfallenden Kosten künftig noch steuerlich abzugsfähig wären.
3. Von einem Systemwechsel nicht betroffen wären Zweitwohnungen (Ferienwohnungen) und vermietete Liegenschaften.

EXPERTsuisse KMU Praxisinformationen 02/2018

02.07.2018 - Digitale Signatur

Unterschrift ≠ Signatur

Eine eingescannte Unterschrift in einem PDF-Dokument ist entgegen der weit verbreiteten Meinung keine rechtsgültige digitale Signatur, welche die eigenhändige Unterschrift ersetzt. Denn das Obligationenrecht definiert in Art. 14 Abs. 2bis: «Der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt ist die mit einem qualifizierten Zeitstempel verbundene qualifizierte elektronische Signatur gemäss Bundesgesetz vom 18. März 2016 über die elektronische Signatur. Abweichende gesetzliche oder vertragliche Regelungen bleiben vorbehalten.». Das Bundesamtfür Kommunikation (BAKOM) schreibt auf seiner Website: «Die elektronische Signatur ist ein technisches Verfahren zur Überprüfung der Echtheit eines Dokuments, einer elektronischen Nachricht oder anderer elektronischer Daten sowie der Identität des Unterzeichnenden. Sie basiert auf einer Zertifizierungsinfrastruktur, die von vertrauenswürdigen Dritten verwaltet wird: den Anbieterinnen von Zertifizierungsdiensten. Deren Infrastruktur bietet ausserdem Lösungen zur Identifikation bei Online-Diensten und zur Sicherung der zu übertragenden Daten.»

Als normaler Anwender kann man hier schon malschnell verunsichert sein. Was ist nun wirklich nötig? Wie muss man vorgehen, wenn die eigenen Prozesse vereinfacht werden sollen und Medienbrüche vermieden werden sollen? Ohne Weiteres sind diese Fragen nicht zu beantworten.

Funktionsweise

Die technische Funktionsweise der digitalen Signatur ist äusserst komplex. Stark vereinfacht funktioniert die digitale Signatur mit einem privaten und einem öffentlichen Schlüssel. Während der private Schlüssel für die Signatur verwendet wird, benötigt der Empfänger den öffentlichen Schlüssel, um die Echtheit zu prüfen. Diese Schlüssel werden über die Zertifizierungsstruktur bereitgestellt.

In der täglichen Anwendung funktioniert das zum Glück etwas einfacher. Als Benutzer bezieht man bei einer Zertifikatsstelle – die bekanntesten in der Schweiz sind die Post (www.postsuisseid.ch) und Quo Vadis (www.suisseid-shop.ch) – ein Zertifikat auf einer Chipkarte oder einem USB-Stick. Diese werden an den PC angeschlossen und das Zertifikat steht grundsätzlich zur Verfügung. Wie das Zertifikat dann wieder in ein Dokument eingebunden wird, hängt sehr von den Anforderungen des Anwenders ab. Es kann beispielsweise durchaus genügend sein, eine E-Mail oder ein Dokument zu «signieren» und so den Absender zu verifizieren und zu bestätigen, dass das E-Mail oder das Dokument nicht verändert worden ist. Andere wiederum möchten, dass zusätzlich zur Signatur eine Bildgrafik eingefügt wird, welche die eigenhändige Unterschrift darstellt. Selbst da sind die Möglichkeiten wiederum vielfältig.

Nutzen

Wieso soll man überhaupt die eigenhändige Unterschrift mit der digitalen Signatur ersetzen? Die digitale Signatur hat durchaus positive Eigenschaften. Ein grosser Nutzen dürfte sein, dass man die digitale Signatur ortsunabhängig vornehmen kann. Solange der (elektronische) Zugriff auf ein Dokument gegeben ist, kann dieses signiert werden, ohne dass die physische Präsenz notwendig ist. Somit können Mitarbeiter, welche extern bei Kunden oder im Homeoffice arbeiten, sehr gut in die Prozesse eingebunden und der administrative Koordinationsaufwand verringert werden.

Bereits heute können gewisse Rechtsgeschäfte auf rein elektronischem Weg abgewickelt werden. Künftig werden hier weitere Bereiche dazukommen. Dies erlaubt eine direkte und zeitnahe Interaktion mit der Verwaltung und mit Ämtern, Banken und wohl auch im internationalen Verkehr.

«In Kürze»

1. Eine digitale Signatur kann nur mit Schlüsseln erstellt werden, welche von einem Anbieter zur Verfügung gestellt werden. Sie ist als qualifizierte Signatur verbunden mit einem Zeitstempel der eigenhändigen Unterschrift gleichgesetzt.
2. Die Abläufe und Prozesse und oftmals auch Briefvorlagen müssen analysiert und angepasst werden, damit das volle Potenzial ausgenützt werden kann.
3. Die digitale Signatur erlaubt eine moderne Arbeitsweise und wird künftig die Interaktion mit verschiedenen Gegenparteien vereinfachen.

EXPERTsuisse KMU Praxisinformationen 01/2018

01.06.2018 - Ein Blick auf die revidierte Mehrwertsteuer

Hintergrund

Am 1. Januar 2018 sind diverse rechtliche Änderungen betreffend die Mehrwertsteuer (MWST) in Kraft getreten. Eines der Hauptanliegen des revidierten Mehrwertsteuergesetzes ist die Beseitigung der mehrwertsteuerbedingten Wettbewerbsnachteile inländischer Unternehmen gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten. Die geänderte Mehrwertsteuerverordnung enthält die damit zusammenhängenden Ausführungsbestimmungen und darüber hinaus Anpassungen, welche auf während der vergangenen Jahre gemachten Praxiserfahrungen gründen. Im Folgenden werden einzelne Änderungen der Mehrwertsteuerbestimmungen genauer beleuchtet.

Steuerpflicht

Neu ist nicht nur der im Inland erzielte Umsatz massgebend bei der Frage nach der Begründung der Steuerpflicht, sondern der weltweite. Dies gilt auch für Unternehmen mit Sitz im Ausland. Dies bedeutet, dass seit dem 1. Januar 2018 alle Unternehmen, die entweder in der Schweiz ansässig sind oder Leistungen in der Schweiz erbringen und im In- und Ausland pro Jahr mindestens CHF 100 000 Umsatz aus nicht von der Steuer befreiten Leistungen erzielen, obligatorisch mehrwertsteuerpflichtig sind. Die Steuerpflicht beginnt für Unternehmen mit Sitz im Inland mit der unternehmerischen Tätigkeit. Für alle anderen gilt das erstmalige Erbringen einer Leistung im Inland. Die Steuerpflicht inländischer Unternehmen endet mit der Beendigung der unternehmerischen Tätigkeit oder der Vermögensliquidation. Für alle weiteren Unternehmen ist das Ende des Kalenderjahres, in welchem die letzte Leistung in der Schweiz erbracht wurde, massgebend. Zudem können sich neu auch Holdings der MWST unterstellen.

«Eng verbundene Personen»

War bisher von einer «massgebenden Beteiligung» dann die Rede, wenn ein Inhaber mit mehr als 10 % am Grund- oder Stammkapital an einem Unternehmen beteiligt war, gilt neu als «eng verbundene Person», wer Inhaber von min- destens 20 % des Stamm- oder Grundkapitals ist. Neu gelten auch Stiftungen (mit einzelnen Ausnahmen im Bereich der Vorsorgestiftungen) und Vereine als eng verbundene Personen, wenn eine besonders enge wirtschaftliche, vertragliche oder personelle Beziehung vorliegt. Die Qualifikation als eng verbundene Person hat zur Folge, dass von ihr unentgeltlich erbrachte Leistungen zum Preis von Dritten verrechnet werden müssen.

Sammlerstücke

Bei Sammlerstücken, wie Kunstgegenstände, Antiquitäten und dergleichen, ist der fiktive Vorsteuerabzug nicht mehr zulässig. Dafür kann jedoch auf diesen Gegenständen beim Verkauf die Margenbesteuerung angewendet werden. Wird die Margenbesteuerung angewendet, so muss der Verkaufspreis unter Ziff. 200 im MWST-Abrechnungsformular aufgeführt werden sowie unter  Ziff. 280 der Ankaufspreis abgezogen werden. Die Rechnung darf in diesem Fall jedoch keine MWST mehr ausweisen.

Der fiktive Vorsteuerabzug ist ab 1. Januar 2018 neu jedoch in folgenden Fällen zulässig: Beim Bezug von individualisierbaren oder beweglichen Gegenständen, welche exportiert werden, oder beim Bezug von individualisierbaren und beweglichen Gegenständen, die als Betriebsmittel verwendet werden.

Bezugssteuer

Die Bezugssteuer ist neu nur noch auf der Lieferung von unbeweglichen Gegenständen geschuldet. Die Bezugssteuer entfällt bei beweglichen Gegenständen. Neu werden bisher nicht steuerpflichtige Personen auf jeden Fall bezugssteuerpflichtig und sind verpflichtet, dies der ESTV zu melden. Dies betrifft auch Privatpersonen, die im Jahr für mehr als CHF 10 000 Leistungen beziehen, welche der Bezugssteuer unterliegen.

«In Kürze»

1. Steuerpflichtig in der Schweiz sind neu alle Unternehmen, welche weltweit einen Umsatz von CHF 100'000 erreichen und in der Schweiz eine mehrwertsteuerpflichtige Tätigkeit ausüben.
2. Vereine und Stiftungen können neu als «eng verbundene Person» gelten.
3. Neu kann auf Sammlerstücken die Margenbesteuerung angewendet werden.
4. Wie bisher können auch Privatpersonen in die Bezugssteuer fallen; neu sind sie jedoch verpflichtet, dies von sich aus bei der ESTV zu melden. Eine Vorinformation durch die ESTV erfolgt nicht mehr.

EXPERTsuisse KMU Praxisinformationen 01/2018

02.05.2018 - Pflichten des obersten Leitungsorgans unter FinfraG

Worum geht es?

Als Folge der Finanzkrise vor bald zehn Jahren sind weltweit bereits unzählige neue Gesetze verabschiedet worden, alle mit dem Ziel, die Finanzmärkte transparenter und stabiler zu machen und damit das Risiko eines erneuten Zusammenbruchs des Finanzsystems zu reduzieren. Mit dem Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) folgt die Schweiz den Beispielen aus der EU und den USA und reguliert den Handel mit OTC-Derivaten. Das Gesetz und die Ausführungsbestimmungen in der Finanzmarktinfrastrukturverordnung (FinfraV) führen diverse neue Pflichten ein, welche es beim Derivatehandel zu beachten gilt.

Wer ist betroffen?

Betroffen von den Bestimmungen zum Derivatehandel sind grundsätzlich alle im Schweizer Handelsregister eingetragenen Rechtseinheiten – also auch KMU, selbst wenn sie gar nicht mit Derivaten handeln. Unabhängig von der Rechtsform unterscheidet das Gesetz verschiedene Kategorien von sogenannten «Gegenparteien»: Als Finanzielle Gegenparteien («FG») gelten Unternehmen der Finanzbranche im weiteren Sinne wie Versicherungen, Banken und Vorsorgeeinrichtungen. Alle anderen Rechtseinheiten fallen in die Kategorie der Nicht-finanziellen Gegenparteien («NFG»). Bei beiden Kategorien gibt es jeweils die Unterkategorie der «kleinen» Finanziellen Gegenparteien («FG-») resp. der «kleinen» Nichtfinanziellen Gegenparteien («NFG-»). Diese Unterkategorien zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Durchschnittsbruttopositionen aller aus- stehenden OTC-Derivatgeschäfte unter gewissen Schwellenwerten liegen.

Pflichten nach FinfraG

Der Umfang der neu eingeführten Pflichten ist nach Unternehmenskategorie abgestuft und von der Kategorie der Gegenpartei, mit der ein Derivatehandel abgeschlossen wird, abhängig. Je nach Kategorie und nach Art der gehandelten Derivate sind verschieden stark ausgebaute Abrechnungs-, Melde-, Risiko- minderungs-, Plattformhandels- und Dokumentationspflichten zu erfüllen.

Was ist zu tun?

In einem ersten Schritt sollte jedes KMU eine Selbsteinstufung hinsichtlich ihrer Klassifizierung vornehmen. Grundsätzlich dürften KMU nicht unter die gesetzliche Aufzählung der «Finanziellen Gegenparteien» fallen und daher als «Nichtfinanzielle Gegenpartei» gelten. In Anbetracht der hoch angesetzten Schwellenwerte ist davon auszugehen, dass sich die allermeisten KMU als «kleine Nichtfinanzielle Gegenparteien» qualifizieren.

Weiter hat sich das KMU zu fragen, ob es mit Derivaten handelt. Kann diese Frage verneint werden, hat das KMU die Möglichkeit, sich von sämtlichen weiteren FinfraG-Pflichten zu befreien. Dafür hat das oberste Leitungsorgan – also der Inhaber beim Einzelunternehmen, die Geschäftsführung bei der GmbH oder der Verwaltungsrat bei der AG – in einem Beschluss schriftlich festzuhalten, dass das KMU als NFG-klassifiziert und dass es auf den Handel mit Derivaten verzichtet. Dieser Verzichtsbeschluss hat grundsätzlich eine zeitlich unbeschränkte Geltung, aber Vorsicht: Die Befreiung von den FinfraG-Pflichten gilt nur, solange effektiv nicht mit Derivaten gehandelt wird. Bereits ein einziges derivatives Geschäft genügt und die genannten Pflichten leben wieder auf.

KMU, welche mit wenigen, «einfachen» Derivaten handeln (beispielsweise zu Absicherungszwecken), haben in einer Dokumentation die Umsetzung der auf sie anwendbaren Pflichten zu regeln. Werden die Derivatgeschäfte mit Schweizer Banken getätigt, haben grundsätzlich diese die FinfraG-Pflichten wahrzunehmen, mit Ausnahme der Dokumentationspflicht. Dasoberste Leitungsorgan des KMU hat somit neben dem Nachweis der Klassifizierung als NFG- in der Dokumentation festzuhalten, wie regelmässig die Selbsteinschätzung als NFG-überprüft und dass ausschliesslich mit Schweizer Banken gehandelt wird und zwar auf Grundlage eines Vertrages, welcher die Anforderungen an die Risikominderungspflichten erfüllt. Allenfalls ist von der Gegenpartei auch eine schriftliche Bestätigung betreffend die gesetzeskonforme Wahrnehmung der Pflichten einzuholen. Verfügt das KMU über eine Revisionsstelle, wird diese die Dokumentation dahingehend prüfen, ob mit dieser die Umsetzung der FinfraG-Pflichten gewährleistet ist.

Für KMU, welche einen grossen Bestand an Derivaten haben oder welche nicht ausschliesslich mit Schweizer Banken handeln, empfiehlt es sich, einen Spezialisten für derivative Finanzinstrumente beizuziehen.

«In Kürze»

1. Vom FinfraG sind grund- sätzlich alle Unternehmen betroffen.
2. Nichtfinanzielle Gegenparteien, welche nicht mit Derivaten handeln, können sich mittels schriftlich festgehaltenen Verzichtsbeschlusses von weiteren FinfraG-Pflichten befreien.
3. Wird ausschliesslich mit Schweizer Banken gehandelt, besteht lediglich die Pflicht zur Selbsteinschätzung und zur Dokumentation.
4. Im Zweifelsfalle ist ein Derivate-Spezialist beizuziehen.

EXPERTsuisse KMU Praxisinformationen 01/2018

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Satzreduktion per 1. Januar 2018.

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Kennzahlen 2013
Sozialversicherungen und Steuern.
Die neue Macht der Minderheit
Auswirkungen des neuen Rechnungslegungsgesetzes.